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Politisch "links", "rechts". - Mitte = konservativ. - "Luzifer", "Ahriman".

admin @, Freitag, 07. Mai 2010, 15:42 (vor 3238 Tagen) @ admin
bearbeitet von admin, Freitag, 07. Mai 2010, 15:49

Der Rechtsextremismus sei heute bis in die Mitte der Gesellschaft vorgedrungen, so behaupten manche Politiker. Das ist natürlich Unsinn, denn Extrem bedeutet Äußerstes oder Ende, kann also per definitionem nicht in der Mitte liegen und auch nicht bis dahin vordringen. - Stimmt es aber wenigstens relativ, d.h. vom Blickwinkel der Vergangenheit? Nein, da erst recht nicht; so besehen ist es nämlich umgekehrt: Was früher politisch in der Mitte war, ist heute weit rechts gelegen. Von der Vergangenheit besehen, steht unsere Politik heute eindeutig "links".

Das wirft die Frage auf: Was bedeuten eigentlichen die Begriffe "links" und "rechts" im politischen Verständnis? Ich gebe aus meiner Sicht die folgende Erklärungen:


Links-extrem sein bedeutet: Zukünftige Entwicklungsphasen vorwegnehmend.

Links sein bedeutet: Auf Zukünftiges hin orientiert.

Konservativ sein bedeutet: Bleibendes, immer Gültiges bewahrend.

Rechts sein bedeutet: Auf Vergangenes hin orientiert.

Rechts-extrem sein bedeutet: Überwundene Entwicklungsphasen hereinholend.


Wohl gemerkt: "Konservativ" ist hier die Mitte!


Doch nun im Einzelnen.

Links-Orientierung versteht sich immer als fortschrittlich, und dies im bejahenswerten Sinne. Denn auch Krankheiten schreiten fort - "idealerweise" bis hin zum Tod -, aber diese Fortschrittlichkeit haben Links-Idealisten selbstverständlich nicht im Auge.

Linke sind zukunftsfroh, insofern jugendlich. Sie vertreten den natürlichen Standpunkt junger Menschen. Wer als alter Mensch immer noch links ist, setzt sich daher dem Verdacht einer Entwicklungsstörung aus.

Linke fordern tendenziell immer Gleichheit, "Gerechtigkeit". Sie kämpfen gegen Herrschaft und Ausbeutung - alles aber nur so lange, bis sie selbst, meist auf dem Wege natürlicher Entwicklung, Gleichheit erlangt oder die Herrschaft übernommen haben.

Links-Orientierung über dieses Stadium hinaus trägt ideologische, utopische Züge. Gleichheit, Herrschaftslosigkeit wird dann zum unnatürlichen, ja widernatürlichen Prinzip. Ziel war bislang die klassenlose Gesellschaft (Marxismus-Leninismus) und ist heute die geschlechtslose Gesellschaft (Genderismus). Diese "Einheitsgesellschaften" sind nur unter Zwang und eventuell Verlusten an Menschenleben herzustellen, und dies auch nur für begrenzte Zeit. Sie haben keine Zukunft, denn die Zukunft läßt sich nicht vorwegnehmen. Soweit der Links-Extremismus.


Rechts-Orientierung versteht sich als selektiv vergangenheits-bewahrend. "Selektiv", auslesend, das bezieht sich selbstverständlich auf das Bewährte, als gut und nützlich Anerkannte, das, was die Prüfung bestanden hat.

Rechte versprechen sich nichts von Neuerungen, vertreten also den Standpunkt alter Menschen. Wer als junger Mensch bereits rechts steht, setzt sich dem Verdacht von Zukunftsängsten aus.

Weiterhin ist klar, daß Rechte ein Interesse an Unterscheidung haben, nicht an Gleichheit. Sie haben etwas erreicht und wollen nicht hinter das Erreichte zurück. Außerdem haben sie sich individualisiert. Kollektivierung ist ihnen naturgemäß zuwider. Es ist bekannt, daß alte Menschen sich gerne auf sich selbst zurückziehen.

Eine darüber hinausgesteigerte Rechts-Orientierung trägt wiederum ideologische, jedoch rückwärtsgewandte Züge. Ziel war im zwanzigsten Jahrhundert die rassistisch-kollektivistisch verklärte Volksgemeinschaft (Faschismus) und ist heute die sexistisch verklärte Mutterboden-Gesellschaft oder Gynokratie (Differenzfeminismus). Erstere besann sich auf das Germanentum; die zweite orientiert sich noch weiter zurück, nämlich an einem hypothetischen Ur-Matriarchat, in dem Männer untergeordnete, in Schach gehaltene Wesen sind.

Derartige Gesellschafts-Modelle lassen sich bekanntlich ebenfalls nur unter Zwang und Opfern für eine Zeitlang realisieren. Gerade was den gegenwärtig aufkommenden Differenzfeminismus oder Sexismus betrifft, so fordern seine Vertreter (beiderlei Geschlechts!) daher eine physische Reduzierung des männlichen Anteils der Weltbevölkerung, zumindest aber Unterdrückungsmaßnahmen (wie chirurgische Eingriffe in das "männliche Gewaltzentrum"), die notwendigerweise alles Bisherige in den Schatten stellen.

Irritieren sollte auch nicht der vordergründige Widerspruch zwischen dem Individualismus alter Menschen und dem Kollektivismus, der ur-alten Gesellschaften zueigen ist. Zwischen "rechts" und "rechts-extrem" gibt es einen qualitativen Sprung!

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Die Tatsachen sind jedoch verwirrend. Gelegentlich heißt es, daß der Nationalsozialismus eigentlich, wie der Name schon sagt, ein Sozialismus, jedenfalls eine linke Ideologie gewesen sei. Es sei Hitler um eine Neuschaffung des Menschen gegangen. - Ebenso lassen sich im Marxismus-Leninismus oder Stalinismus orientalisch-atavistische Züge finden, etwa ingestalt des Personenkults. Diese weisen in die Vergangenheit.

Was die heute weltbewegende Ideologie betrifft, den Feminismus nämlich, so tritt dieser Antagonismus ganz offen zutage. Ja, wir können sagen: Der Feminismus besteht in einem Links-Rechts-Dimorphismus, tendenziell sogar in einem derartigen Antagonismus. Das heißt: Gegenwärtig "vertragen" sich Identitäts- und Differenz-Feminismus - also Genderismus und Sexismus - noch miteinander, ja sie ergänzen und verstärken sich auf politischer Ebene im Kampf gegen die Mitte (die in meinem Wortverständnis konservativ sein muß). Aber das muß nicht so bleiben. Beide Strömungen können so aufeinanderprallen, wie zwei andere totalitäre Systeme ideologisch aufeinandergeprallt sind sind, nämlich der russische Bolschewismus und der deutsche Faschismus.

Da der Feminismus auf viel grundlegendere Elemente des Menschseins rekurriert als auf Klassen bzw. Rassen, nämlich auf die beiden Geschlechter, muß seine destruktive Potenz eine noch erheblich größere sein.

Zukunft bedeutet eben immer auch: Steigerung.

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Die Ausarbeitung dieser Gedanken verdanke ich zwei Anregungen: Zuletzt dem Hinweis auf ein grundlegendes Konzept des Historikers Ernst Nolte (bekannt geworden durch den sogenannten Historikerstreit); zunächst aber, und dies grundlegend, der durch R.Steiner eingeführten und von vielen Anthroposophen weiter ausgeführten Differenzierung des Bösen in zwei antagonistische Mächte, benannt "Luzifer" und "Ahriman". In biblischer Entsprechung sind das der Teufel und der Satan. Auch dort, in der Bibel, erscheint nämlich das Böse oft zweigestaltig - und dabei gegensätzlich -, wie an verschiedenen Stellen ersichtlich wird.

Ohne auf die Genealogie und die kosmologischen Bezüge dieser Wesenheiten einzugehen, sei nur grob abstrahierend erwähnt, daß Luzifer "das heiße, erregbare, stolze, vergangenheitsorientierte Prinzip" verkörpert, Ahriman hingegen "das kalte, zynische, anonyme, zukunfstorientierte Prinzip". Alle unsere Natur- und Kultur-Erscheinungen lassen sich irgendwie als "eher luziferisch" oder "eher ahrimanisch" einordnen. (Dies ist durch manche Anthroposophen in einem Maße geschehen, das ihnen von weltanschaulich verwandterSeite den Vorwurf der Manie eingetragen hat.) Und beide Prinzipien können sowohl zusammenwirken als auch in Opposition zueinander treten.

Wie dem sei, diese Unterscheidung hat sich mir als sehr erhellend und weiterführend erwiesen. Ich werde darauf an gegebenem Ort eventuell zurückkommen.


T.R.E.Lentze (admin)


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