Kulturtheorie von Hubert Brune (Fortsetzung)

Herr Schütze ⌂ @, Montag, 07. März 2011, 23:50 (vor 2816 Tagen) @ admin

Für Brune ist „Kulturphase“ der Inbegriff einer wohltemperierten Abrundung durch geistig-politische Tätigkeiten in einer bestimmten Zeitspanne, oft ausgedrückt durch technische, künstlerische, ökonomisch-politische und geistig-metaphysische Richtungen. Sie kann nur 60-80 Jahre andauern, wie im Falle des Rokoko, oder 200-300 Jahre, die etwa jeweils Karolingik, Romanik und Gotik ausmachten. Eine Phase umfaßt im Mittel etwa 180 Jahre. Ein „Kulturquartal“ umfaßt 3 Phasen, das sind durchschnittlich 500-600 Jahre, tatsächlich aber manchmal auch nur 300-350 Jahre, wie im Falle der abendländischen Jugend (Renaissance, Barock und Rokoko). Kulturelle Quartale bezeichnet Brune häufig analog zu den 4 Jahreszeiten (**) mit „Winter“, „Frühling“, „Sommer“, „Herbst“, zu den 4 Tageszeiten (grob gesehen) mit „Nacht“, „Morgen“, „Nachmittag“ „Abend“ oder zu den 4 lebendigen Entwicklungszeiten (grob gesehen) mit „uterin“ (auch: „pränatal“), „kindlich“, „jugendlich“, „erwachsen“.

Ein Kulturquartal ist eine Jahreszeit in dem Sinne, daß an ihr erkennbar wird, was sie ist, wenn sie gewissermaßen innehält. Winter, Frühling, Sommer und Herbst sind wie unterirdisches Wachstum, zarte Blüten, Hochblüte und Verfall, wie die pflanzliche Welt immer wieder bezeugt, aber nicht nur sie: die 4 Jahreszeiten (**) sind wie uterines, kindliches, jugendliches und erwachsenes Leben, z.B. auch vergleichbar mit dem der Säugetiere. Das erwachsene Leben kann mehrere Quartale umfassen; in dem Falle teilen die Älteren (Elter[e]n) ihr Leben mit den Kindern, Enkelkindern oder gar Urenkelkindern. In Kulturen war und ist dies auch möglich: China, Indien und die die magische Kultur existieren als Zivilisationen (Erwachsene) schon länger als das Abendland.**

Ein historienkultureller Umlauf bzw. ein Durchlauf durch die 12 Historienkulturphasen dauert rund 2150 Jahre: „ein Zwölftel der durch die Präzession bedingten Verschiebung des Frühlingspunktes im Tierkreis“ (**), die man als Metaphysisker auch „Platonisches Jahr“ nennt.

Zum Unterschied von „Neuzeit“, „Moderne“ und „Zivilisation“:

So wie es die Tabelle zeigt, so möchte ich den Unterschied von »Neuzeit«, »Moderne« und »Zivilisation« verstanden wissen. Das »Ab«, der »Abbau« einer Kultur ist identisch mit »Neuzeit« und / oder »Moderne« (also entweder »Neuzeit i.e.S.« + »Moderne i.e.S.« oder »Neuzeit i.w.S.« = »Moderne i.w.S.«), aber nur bis zu einer bestimmten Zeit mit »Zivilisation«, denn zur »Zivilisation« zählt auch noch die »Nach-/Endzeit«. Was »Moderne« und »Zivilisation« angeht, so gibt es allerdings auch noch Definitionen, die über die in der Tabelle dargestellte in gewisser Hinsicht hinausgehen, und zwar dann, wenn man eine Kultur selbst (a) als Moderne bzw. Teil einer Moderne oder (b) als Zivilisation bzw. Teil einer Zivilisation betrachtet. Solange Moderne und Zivilisation sich zeitlich noch decken, macht es bezüglich der zeitlichen Abgrenzung noch keinen Unterschied, welche Begriffe verwendet werden - inhaltlich dagegen bleibt der Unterschied stets gewahrt. So kann z.B. die gesamte Zeit der Historienkulturen (der Historiographik als nur einer Historien-Kultur) als Moderne oder Zivilisation der Historisierung noch so lange gleichermaßen angesehen werden, wie sie noch zeitgleich bleiben. Da aber in der Regel die Zivilisation später als die Moderne endet und bezüglich unserer Zukunft niemand genau vorhersagen kann, ob und wie lange unsere Zivilisation länger dauern wird als unsere Moderne, sollte man beide auch diesbezüglich möglichst nicht synonym verwenden.“ **


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